That’s Jazz! - Das Konzert-Highlight am 19.2. 2018 in der Aula des Hainberg-Gymnasiums:

                                                NDR Bigband meets Jazztified

Polyphone Vielfalt, komplexe Instrumental-Arrangements, Improvisationen in Soloparts, ein „Groove“, dem man sich kaum entziehen kann - unter dem Begriff „Jazz“ versammelt sich eine Vielfalt moderner, eigenwilliger, manchmal auch „wilder“, wenig harmonischer Rhythmen und Musik-Stile. Liegt es an der Mischung aus afroamerikanischen Blues- und Gospel - Elementen und Einflüssen der europäischen Marsch-Tradition in ihren Wurzeln, dass uns diese Musik mal fremd, spannungsreich und dann wieder sehr harmonisch, in ihren Bann zieht?           Große Namen, Duke Ellington, Louis Amstrong, Django Reinhard und viele weitere, verbinden wir mit der Jazz- Vergangenheit. Der Begriff „modern“ ist nur eine vage und unzureichende Beschreibung dessen, was in der Gegenwart die Faszination des Jazz ausmacht.

Mit der Vorhut der NDR Bigband weht schon mittags am 19.2.2018 ein Hauch internationalen Flairs ins Hainberg-Gymnasium.  Zwei LKW-Ladungen umfasst die Bühnen-Technik-Ausstattung des NDR. Zehn Bühneneinrichter sorgen am Nachmittag vor dem mit Spannung erwarteten musikalischen Meeting zwischen der HG-Schulbigband Jazztified und der NDR Bigband in der HG- Aula für Klang- und Lichtqualität vom Feinsten.

Dieses sind die technischen Bedingungen für ein wunderbares Konzerterlebnis. In der voll besetzten Aula des Hainberg-Gymnasiums stehen am Abend die Musiker und ihre Instrumente im Mittelpunkt.

Die Schul-Bigband Jazztified präsentiert sich als Erste. Bandleader Uwe Meile leitet die Gruppe der 20 jungen Musikerinnen und Musiker mit sparsamen Gesten. Seit 2016, dem Weggang vieler Mitglieder der Band nach dem Abitur, ist durch seine geduldige, beharrliche Arbeit mit begabten und spielfreudigen Schülerinnen und Schülern innerhalb kurzer Zeit eine neue Jazztified-Formation als Ensemble zusammengewachsen. Die Jazz-Musiker des HG präsentieren mit einem eingängigen Programm aus Swing-, Pat Metheny- und Björk-Arrangements bis hin zum temperamentvoll-temporeichem Schlussakzent, Stevie Wonders „I wish“, eine sorgfältig überlegte Auswahl aus ihrem Können. Was die Schüler und Schülerinnen scheinbar unaufgeregt in Soloparts und Zusammenspiel zeigen, ist in vielen Proben sorgsam erarbeitet. Die drei Sängerinnen, Sarah Berkemeier (Jg. 12), Dina Wackenroder (Jg.11) und Agnes Bolimowski (Abitur 2016), bereichern mit ihren harmonierenden, kraftvollen und besonderen Stimmen das Instrumentalspiel. Beeindruckend insgesamt die Sicherheit, Konzentration und Spielfreude der jungen Musiker im Zusammenwirken,  spürbar ihre Freude darüber, dass bei einigen der Stücke Solisten der NDR Bigband mitwirken.

Im zweiten Teil gehört die Bühne der 17köpfigen, international besetzten NDR Bigband, 15 Musikern, einer Musikerin und dem norwegischen Jazz-Musiker, Komponisten , Dozenten und Bandleader Geir Lyson. Im HG zu Gast ist eine der besten Jazz-Bigbands der Welt. Ihr Programm nennen die Musiker „Selfies“- sechs Kompositionen oder Arrangements einzelner Bandmitglieder, die sich stilistisch in der Spannung zwischen der musikalischen Tradition und modernen Jazzarrangements bewegen. Virtuos entlocken die Solisten ihren Instrumenten zum Teil wunderliche Töne oder Geräusche, manchmal nur gehaucht, dann wieder einzeln, aufgereihten Perlen gleich, gespielt, temporeiche Tonkaskaden im Wechsel mit sanft und langsam vorgetragenen Parts. Die Musiker beherrschen ihre Instrumente brillant und fesseln das Publikum mit ihrem hochkonzentriert-präzisen und gleichzeitig leicht wirkenden Spiel. Auch die NDR Bigband bedarf nur weniger Impulse von Seiten des Bandleaders. Jeder der Musiker weiß, was er wann und wo zu spielen hat. In ihren Soloparts stehen einzelne von ihnen für einige Momente im Licht der Aufmerksamkeit und der Applaus des Publikums belohnt ihre virtuose Leistung. Danach reiht sich jeder wieder in das große Ganze des Bandensembles ein. Ohne dieses Zusammen-Spiel ist der einzelne hier nichts.
Am spannungsreichen Jazz, den die Bigband in diesem zweiten Teil des Abends präsentiert, fasziniert vielleicht neben der beeindruckenden Präzision der Musiker, dass auch das Schräge und Schrille, das Widersprüchlich-Unharmonische in Tönen zum Ausdruck gebracht wird und neben der Harmonie seine Bedeutung hat.
Die Band wird mit großem Applaus bedacht. Man will dieses Ensemble eigentlich nicht ohne Zugabe gehen lassen. Aber die Band wird am nächsten Tag bereits in einer anderen Schule erwartet, deshalb rollen kaum eine Stunde nach dem Ende dieses beeindruckenden Konzertabends die LKWs mit dem technischen Equipment schon wieder vom Schulhof. Seit über 20 Jahren tourt die Band des NDR, die es seit 1945 gibt, neben ihren anderen musikalischen Verpflichtungen durch Schulen norddeutscher Bundesländer, um die schulische Musikarbeit mit Jugendlichen zu fördern.   An diesem Abend am HG nehmen sich die Musiker der NDR Bigband noch Zeit für einen Gedankenaustausch mit ihren jungen Musikkollegen von Jazztified.

Ein pädagogisches Fazit aus diesem sehr gelungenen Meeting zu ziehen, ist vielleicht etwas hoch gehängt. Trotzdem drängt sich das Bild vom positiven Gehalt des Lernens mit und an anderen auf:

Im Bigband-Jazz kann der einzelne sein Können und seine Individualität, auch im „Schrägen“, für einen begrenzten Zeitraum zeigen und er erfährt mit dem Applaus des Publikums dafür Wertschätzung. Möglich wird die individuelle Leistung aber erst, wenn durch die Konzentration auf das Zusammenspiel mit den anderen der Rahmen dafür hergestellt wird. Dieser entsteht nicht von selber, er muss eingeübt werden. Gelingt das, sind wir als Publikum davon so fasziniert und eingenommen wie an diesem Konzertabend.
Weniger akademisch formuliert:
Es war ein sehr mitreißender, grandioser Konzertabend zweier Bands, jede auf ihre Art musikalisch beeindruckend, mit sympathischen Musikern, die ihr Können in den Rahmen des Ensembles stellen. Aus den unterschiedlichen Programmen entstand spannende musikalische Unterhaltung. Für die Mitglieder von Jazztified erwächst vielleicht aus der Begegnung mit der NDR Bigband neue, noch größere Begeisterung und Motivation für ihr musikalisches Fortkommen - „überdurchschnittliches Können“ attestierten ihnen die Profi-Musiker.
Der Dank geht an Uwe Meile (und die Schulleitung):  die NDR Bigband ins HG zu holen und damit  Gelegenheit zu schaffen, ein musikalisches Highlight „hautnah“  miterleben zu können – davon werden alle, die dabei waren, lange zehren!

Text : Sabine Wiggert
Fotostrecke folgt: Hans Jürgen Leffler, Florian Reitzenstein, Sabine Wiggert