Zwischen Geschichte und Gegenwart: Unser Tag in Berlin – eA Geschichte 13
„Wohin würdest du gehen, wenn du in Deutschland plötzlich alle Rechte verlieren würdest?“ Die Antworten unseres Geschichtskurses fielen sehr unterschiedlich aus, doch die Frage bleibt allen im Kopf. Denn sie erinnert daran, dass jüdische Menschen in der Vergangenheit genau vor solchen Entscheidungen standen: Denn schon seit der Antike verlieren Jüdinnen und Juden Schritt für Schritt und immer wieder ihre Rechte, werden ausgegrenzt und viele mussten ihre Heimat verlassen oder konnten nicht mehr fliehen.
Mit genau solchen Fragen beschäftigt sich die beeindruckende Ausstellung im Jüdischen Museum Berlin. Besonders unsere Führung zeigte, wie Geschichte nicht nur durch Zahlen und Fakten vermittelt werden kann, sondern auch durch persönliche Geschichten und Gefühle. Das Museum selbst ist schon durch seine Architektur ein besonderer Ort. Der Bau von Daniel Libeskind erzählt bereits ohne Worte Teile der jüdischen Geschichte: Brüche, Verluste und Erinnerungen. Auch der “garden of exiles”, welcher von seiner Bauart an das Denkmal für die ermordeten Juden Europas erinnert, sorgt dafür, dass Besucherinnen und Besucher Geschichte nicht nur lesen, sondern das Thema auf eine besondere Weise selbst fühlen und erleben können.
Besonders gelungen an unserer Führung war die Mischung aus ernsthafter Wissensvermittlung und originellen Denkanstößen. Die Ausstellung zeigt jüdisches Leben nicht nur im Zusammenhang mit Verfolgung, sondern auch mit Kultur, Alltag und persönlichen Geschichten. Ein Beispiel dafür war die Beschäftigung mit der Frage, wie Menschen sich heutzutage in sozialen Medien darstellen. Wir konnten darüber nachdenken, welches Bild wir selbst von uns zeigen möchten und wie auch Menschen früher durch ihre eigenen Porträts und Geschichten wahrgenommen werden wollten. Dadurch wurde also auch charmant eine Verbindung zwischen Vergangenheit und Gegenwart geschaffen.
Denn gerade heute bleiben Themen wie die Bekämpfung von Rassismus und die Auseinandersetzung mit jüdischem Leben weiterhin aktuell. Angesichts von zunehmendem Rechtsextremismus, antisemitischen Angriffen und anderen Formen von Ausgrenzung sind Bildung und Aufklärung umso wichtiger.
Bei zwei Museen an einem Tag war auch eine längere Pause wichtig. Diese Zeit konnten wir nutzen, um Berlin selbstständig zu erkunden und die kulinarische Vielfalt der Stadt (für uns hauptsächlich aus Döner und Shawarma bestehend) kennenzulernen. Viele von uns nutzten die Gelegenheit, sich an die Spree zu setzen und die Atmosphäre der Hauptstadt auf sich wirken zu lassen. Solche gemeinsamen Erlebnisse sind auch für den Zusammenhalt in unserem Kurs wichtig.
Das zweite Museum unseres Tagesausflugs war das Humboldt Forum mit der Ausstellung „Berlin Global“. Diese konnten wir ohne Führung selbstständig erkunden. Besonders hat uns gefallen, wie interaktiv die Ausstellung gestaltet ist. Durch verschiedene Entscheidungen während des Rundgangs konnte man am Ende sogar eine persönliche Auswertung erhalten, die zeigte, welche Schwerpunkte der gesellschaftlichen Werte (Freiheit, Gleichheit, Sicherheit, Tradition) man selbst gesetzt hatte. Die Ausstellung ermöglichte es uns, die Geschichte Berlins mit vielen verschiedenen Sinnen zu erleben. Themen wie Geschichte, Politik, Clubkultur, Kleidung und Alltag wurden miteinander verbunden und machten deutlich, wie vielfältig und geschichtsträchtig die Stadt ist.
Zum Abschluss besuchten wir noch die Dachterrasse des Humboldt Forums. Von dort aus hatten wir einen beeindruckenden Blick auf den Berliner Dom, den Lustgarten und das Alte Museum. Der Ausblick bildete einen passenden Abschluss des Tages. Die beiden Ausstellungen und Berlin selbst eignen sich deshalb hervorragend für einen Tagesausflug und bieten sehr viele Möglichkeiten, sich mit Geschichte auseinanderzusetzen. Dafür muss man nicht unbedingt weit ins Ausland reisen: Schon eine Zugfahrt zweieinhalb Stunden von Göttingen kann zu einem spannenden Tagesausflug werden, auch wenn die Anreise mit der Deutschen Bahn natürlich manchmal etwas länger dauern kann ;)
Jule Steuerwald