Seit 1988 bietet das Hainberg-Gymnasium das Fach Chinesisch als reguläre Fremdsprache ab der Klasse 11. mit der Möglichkeit der Abiturprüfung (P4 oder P5) an. Zudem besteht die Möglichkeit, Chinesisch als 2. Fremdsprache ab Klasse 6 anzubieten, wenn sich genug Schüler:innen finden. Dies gilt ebenso für den Jahrgang 8; hier wird Chinesisch regelmäßig als WPU angeboten. Zusätzlich besteht im Rahmen der Begabtenförderung für motivierte Schüler:innen die Möglichkeit, an bestehenden Chinesischkursen teilzunehmen.
Ziel des Chinesischunterrichts ist der Erwerb kommunikativer Fertigkeiten sowie interkultureller Handlungskompetenz. Die inhaltliche, methodische und fremdsprachendidaktische Gestaltung des Unterrichts sind in einem schuleigenen Curriculum festgeschrieben.
Wie auch in den gängigen Schulfremdsprachen bilden interkulturelle Unterrichtsveranstaltungen auch außerhalb der Schule sowie der Austausch mit chinesischen Herkunftssprecher:innen einen integralen Bestandteil. Neben einer Kooperation zur Frühförderung Chinesisch an der Albanischule und Kooperationen mit der Georg-August-Universität Göttingen besteht seit 2007 ein alle zwei Jahre durchgeführter Austausch mit der Nanjing Foreign Language School in Nanjing/VR China (s. Austausch und Kooperationen).
Da es viele überzeugende Gründe für das frühe Erlernen von Chinesisch gibt, hat das Fach in den letzten Jahren mehr und mehr seinen Status als „Exotenfach“ an Schulen verloren. Bundesweit gibt es bereits ca. 240 weiterführende Schulen mit einem Chinesischangebot. Aufgrund der rasanten Entwicklung des ostasiatischen Kulturraums stellen Chinesisch- sowie interkulturelle Kenntnisse eine ausgezeichnete Zusatzqualifikation auf dem Arbeitsmarkt dar.
Unterrichtsinhalte
Der vorliegende Arbeitsplan orientiert sich am Kerncurriculum Chinesisch für die Sekundarstufe II des Landes Niedersachsen, das in Kürze veröffentlicht wird. Die hier festgelegten thematischen Schwerpunkte stellen Inhalte dar, die dazu geeignet sind, die im Kerncurriculum genannten Kompetenzen zu erwerben. Diese thematischen Schwerpunkte der einzelnen Jahrgänge bieten zweierlei Möglichkeiten: Sie können einerseits chronologisch im Unterricht umgesetzt werden; andererseits eröffnen sie gleichermaßen einen von der hier dargestellten Reihenfolge abweichenden Zugang, der sich z.B. an pädagogischen Notwendigkeiten oder an fächerübergreifenden Projekten innerhalb der jeweiligen Lerngruppe orientieren kann.
Schulinternes Curriculum Chinesisch als spätbeginnende Fremdsprache (Jahrgänge 11/12/13)
Das folgende Curriculum für einen Grundkurs Chinesisch bezieht sich auf die sechs Kurshalbjahre der Jahrgänge 11 bis 13.
Voraussetzungen/allgemeine Kompetenzen bzw. Erwartungshorizont
Als neu einsetzende Fremdsprache greift Chinesisch in der gymnasialen Oberstufe auf die bereits in der Sekundarstufe I in Deutsch und anderen Fremdsprachen erworbenen Fertigkeiten zurück:
Ø fachspezifischer Umgang mit Sprache und Schrift
Ø interkulturelles Lernen (Anerkennung kultureller Andersartigkeit)
Ø Umgang mit Texten und Medien (s. Kapitel Medieneinsatz)
Ø Methoden des selbständigen Arbeitens
Kurs 11/I
Fachspezifischer Umgang mit Sprache und Schrift
Das erste Semester beinhaltet im Wesentlichen die Vermittlung von grammatischen Strukturen, Lauten, Tönen und den Aufbau der Schriftzeichen (Grundstriche, Strichfolgen, Etymologie, Unterschiede Langzeichen/Kurzzeichen etc.). Hier ist neben den Schriftzeichen auch der Erwerb der standardisierten, in der VR China entwickelten Umschrift Hanyu Pinyin sowie anderer Umschriftsysteme wichtig.
Interkulturelles Lernen
Beim Erlernen bzw. Einüben kommunikativer Grundsituationen werden zunächst die Themenbereiche Anrede von Personen, Einladungen, chinesische und sinisierte europäische Namen, Familie und Freunde berührt. Grundlage hierfür sind zunächst Textvorlagen in der Umschrift Hanyu Pinyin.
Umgang mit Texten und Medien
Im Vordergrund stehen die Arbeit mit den Lehrbuchtexten sowie Tonträgern. Zum Erwerb mündlicher Sprechfertigkeiten eignen sich Rollenspiele und einfache Reime bzw. Wortspiele.
Methoden des selbständigen Arbeitens
Wichtigstes Ziel des selbständigen Arbeitens in der Einführungsphase ist die Auseinandersetzung mit der Methodik des Zeichenlernens. Da es sich hierbei um einen sehr komplexen Lernvorgang handelt und es zahlreiche unterschiedliche Strategien (Vokabelkarten, Memory-Spiele, Schreibübungen) gibt, müssen die Schüler:innen individuell entscheiden, welches das für sie am besten geeigneten Vorgehen ist. Hierbei ist zu beachten, dass zusätzlich zu den Schriftzeichen auch die Umschrift und die dazu gehörigen Töne erlernt werden müssen. Ebenso erfordert das gezielte Heraussuchen von Zeichen aus Zeichenlisten bzw. Lernwörterbüchern hohe Eigenmotivation.
Inhalte zum Erwerb der kommunikativen Kompetenzen Sprechen/Hörverstehen/Sehverstehen, Sprachmittlung/Schreiben (in Pinyin und Schriftzeichen)
Mit Hilfe sprachlicher Mittel (Grammatik und Wortschatz) können die Schüler:innen in folgenden Situationen mit den situationsbedingt notwendigen Kompetenzen agieren:
- sich und andere vorstellen
- Begrüßen und verabschieden
- Altersangaben machen
- Angaben zum Wohnort
- die eigene Familie vorstellen
- den Tagesablauf beschreiben
- Alltagsaktivitäten versprachlichen
- Verwendung von Unterrichtssprache
Grammatik:
- einfache Satzkonstruktionen (Frage- und Aussagesätze, Adjektivprädikate)
- Das Zahlensystem
- Personal- und Possessivpronomina
- Attributpartikel 的
- Verneinung
- Zähleinheitswörter/Klassifikatoren
- Adverbien
- Zeitangaben
- die Präposition 在
- einfache Vergleiche
Kurs 11/II
Fachspezifischer Umgang mit Sprache und Schrift
Hier werden im Wesentlichen die Inhalte aus 11/I vertieft und fortgesetzt, da der Zugang und das Erlernen der Zeichenstruktur sowie der Aussprache sehr komplex ist und gerade in der Einführungsphase viel Übung erfordert.
Interkulturelles Lernen
Da in diesem Stadium bereits einige Zeichen erlernt wurden bieten sich jetzt Themen aus den Bereichen Alltag in China wie Wohnen und Arbeiten, Schule, Einkaufen, Essen und Trinken, traditionelle chinesische Feste, Kalender oder Tierkreiszeichen an.
Umgang mit Texten und Medien
Auch hier sind die Lehrbuchtexte noch ein Leitmedium, jedoch können auch schon leichte Sachtexte wie z.B. aus chinesischen Kochbüchern, Liederbüchern, Atlanten und Kinderliteratur herangezogen werden.
Methoden des selbständigen Arbeitens
Hier steht als Vorarbeit für die selbständige Texterstellung bzw. –erschließung der Umgang mit chinesischen Wörterbüchern und ihrer komplexen Systematik im Vordergrund. Auch können die Schüler:innen in diesem Zusammenhang mit der Produktion leichter eigener Texte beginnen, z.B. Personenbeschreibung, Tagesablauf, Zimmerbeschreibung usw. Im Rahmen der Freiarbeit können kulturspezifische Informationen aus Museen, Internet oder Büchern gesammelt und präsentiert werden.
Inhalte zum Erwerb der kommunikativen Kompetenzen Sprechen/ Hörverstehen/Sehverstehen, Sprachmittlung/Schreiben (in Pinyin und Schriftzeichen)
Mit Hilfe sprachlicher Mittel (Grammatik und Wortschatz) können die Schüler:innen in folgenden Situationen mit den situationsbedingt notwendigen Kompetenzen agieren:
- Essen und Ernährung
- Besuch im Restaurant
- den eigenen Stundenplan vorstellen/mit chinesischem vergleichen
- Hobbys
- jemanden besuchen/einladen
- Personen beschreiben
- Bildbeschreibung
Grammatik:
- Einfache Richtungsverben/Richtungsergänzungen
- Personale Ortsangaben
- Modalverben
- Verb/Objektverbindungen
- Auswahlfragen
- Indirekte Rede
- Funktion von 给 und 吧
- die Aspektpartikeln 了 und 过
- komplexere Satzkonstruktionen mit ersten Konjunktionen
- Positionswörter
Kurs 12/I
Fachspezifischer Umgang mit Sprache und Schrift
Hier liegt der Schwerpunkt auf dem Erlernen und Zusammenfassen grammatischer Strukturen: Passiv, Aspekte, Zeit- und Ortsbestimmungen, syntaktische Konstruktionen, Prädikat/Verb, Modalpartikeln usw. Parallel dazu geschieht durch intensives Vokabeltraining die kontinuierliche Erweiterung des aktiven Zeichenschatzes.
Interkulturelles Lernen
Der Kenntnisstand zu diesem Zeitpunkt ermöglicht die Beschäftigung mit Themen wie z.B. Bildung in China und Deutschland, Reisen in China, Esskultur, Umwelt und Gesundheit oder zwischenmenschlicher Umgang in China.
Umgang mit Texten und Medien
Neben der weitergeführten Arbeit mit den Lehrbuchtexten ist zu diesem Zeitpunkt auch die Arbeit mit leichteren authentischen Texten möglich. Hier bieten sich beispielsweise Reiseprospekte, Schulbroschüren, Tabellen zu Familien- und Verwandtschaftsverhältnissen, Speisekarten bzw. Kochrezepte, Kinderbücher u.v.m. an.
Methoden des selbständigen Arbeitens
Als Themen bieten sich z.B. eine Wegbeschreibung anhand eines Stadtplanes oder selbst entwickelte Gespräche über in China soziokulturell relevante Probleme, wie beispielsweise die Ein-Kind-Politik und deren Folgen an.
Inhalte zum Erwerb der kommunikativen Kompetenzen Sprechen/ Hörverstehen/Sehverstehen, Sprachmittlung/Schreiben (in Pinyin und Schriftzeichen)
Mit Hilfe sprachlicher Mittel (Grammatik und Wortschatz) können die Schüler:innen in folgenden Situationen mit den situationsbedingt notwendigen Kompetenzen agieren:
- Zuhause und in der Stadt unterwegs/Orientierung im Raum
- Freizeitgestaltung
- Wegbeschreibungen/Nutzung von Verkehrsmitteln
- Persönliche Feste/Schenken/Geschenke
- Kleidung kaufen
- Online-Kommunikation (Chatten/E-Mail)
- Arztbesuch/Krankenhaus
- Feriengestaltung/Feste/Feiertage
Grammatik:
- erweiterte Funktion von 的
- Komplement des Grades 得
- Steigerung von Adjektiven
- komplexere Vergleiche
- erweiterte Funktion der Partikel 了
- 把-Konstruktion
- Zeitdauerangaben
- Brüche und Prozente
- Durativpartikel 着
- Adverbabgrenzung 地
- 是/的-Konstruktion
- Komplexe Richtungsverben
Kurs 12/II
Fachspezifischer Umgang mit Sprache und Schrift
Fortsetzung und Vertiefung der Kenntnisse aus 12/I.
Interkulturelles Lernen
Neu dazu kommt die Erweiterung kultureller Kenntnisse aus Geschichte sowie aktueller und tagespolitischer Themen.
Umgang mit Texten und Medien
Zu diesem Zeitpunkt ist auch der Einsatz chinesischsprachiger Lehrvideos sinnvoll. Weiterhin kann mit erstem authentischen Textmaterialien gearbeitet werden.
Methoden des selbständigen Arbeitens
Aufgrund des fortgeschrittenen Kenntnisstands kann zu diesem Zeitpunkt mit der Erarbeitung kurzer Referate in chinesischer Sprache begonnen werden. Die Schüler:innen sollten hierbei die Themen selbst auswählen.
Inhalte zum Erwerb der kommunikativen Kompetenzen Sprechen/ Hörverstehen/Sehverstehen, Sprachmittlung/Schreiben (in Pinyin und Schriftzeichen):
In 12/II wird sich vertiefend mit einem der folgenden Themen auseinandergesetzt:
- Bildungssystem
- Digitale Welt
- Ernährung
- Familienstrukturen im Wandel
- Umweltschutz
- Reisen und Mobilität
- Feste/Feiertage/Traditionen
- China in der globalisierten Welt
- Disparitäten Stadt und Land
Grammatik:
Fortsetzung und Vertiefung der Kenntnisse aus 12/I.
Kurs 13/I
Fachspezifischer Umgang mit Sprache und Schrift
Fortsetzung und Vertiefung der Kenntnisse aus 12/II.
Interkulturelles Lernen
Neu dazu kommt die Erweiterung kultureller Kenntnisse aus Geschichte sowie aktueller und tagespolitischer Themen.
Umgang mit Texten und Medien
Zu diesem Zeitpunkt ist auch der Einsatz chinesischsprachiger Lehrvideos sinnvoll. Weiterhin kann mit erstem authentischen Textmaterialien gearbeitet werden.
Methoden des selbständigen Arbeitens
Aufgrund des fortgeschrittenen Kenntnisstands kann zu diesem Zeitpunkt mit der Erarbeitung kurzer Referate in chinesischer Sprache begonnen werden. Die Schüler:innen sollten hierbei die Themen selbst auswählen.
Inhalte zum Erwerb der kommunikativen Kompetenzen Sprechen/Hörverstehen/Sehverstehen, Sprachmittlung/Schreiben (in Pinyin und Schriftzeichen):
In 12/II wird sich vertiefend mit einem der folgenden Themen auseinandergesetzt:
- Bildungssystem
- Digitale Welt
- Ernährung
- Familienstrukturen im Wandel
- Umweltschutz
- Reisen und Mobilität
- Feste/Feiertage/Traditionen
- China in der globalisierten Welt
- Disparitäten Stadt und Land
Grammatik:
Fortsetzung und Vertiefung der Kenntnisse aus 12/II.
Kurs 13/II
Fachspezifischer Umgang mit Sprache und Schrift
Wiederholung der grammatischen und syntaktischen Strukturen sowie vertiefende Auseinandersetzung mit (manueller und digitaler) Textproduktion.
Interkulturelles Lernen
Zusammenfassung der bisher erlernten soziokulturellen Inhalte.
Umgang mit Texten und Medien
Selbstständige Erschließung von Texten mithilfe von digitalen und analogen Nachschlagewerken.
Methoden des selbständigen Arbeitens
Planung und Reflexion eigener Lernprozesse.
Organisation
Stundentafel
| Jahrgang | Kl. 5 | Kl. 6 | Kl. 7 | Kl. 8 | Kl. 9 | Kl. 10 | Kl. 11 | Kl. 12 | Kl. 13 |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Stundentafel | - | 4 | 4 | 4 | 3 | 3 | 3/4 | 3/5. | 3/5. |
| Klassenarbeiten | - | 4 | 4 | 4 | 4 | 4 | 4 | 3 | 3 |
Schulbücher
In der Sekundarstufe I wird mit dem Lehrwerk “Erste Schritte in Chinesisch/轻松学中文“ (Beijing Language and Culture University Press) gearbeitet. Der Unterricht der Sekundarstufe II basiert vorrangig auf dem Lehrbuch „Tongdao/同道“ (C.C. Buchner Verlag).
Absprachen zur Leistungsmessung im Fach Chinesisch
1. Schriftliche Leistungsmessung
1.1. Anzahl der Klausuren
Jahrgänge 6-9: 4 (2 pro Halbjahr) Klausuren
Jahrgang 10: 4 (2 pro Semester)
Jahrgang 11: 3 (2 bzw. 1 im Facharbeitssemester)
Jahrgang 12: 1 für Nichtprüflinge, 2 für Abiturprüflinge P5, 3 für Prüflinge P4
1.2. Vorbereitung
Die Klausurtermine finden an festen Terminen statt, die von den Oberstufenkoordinationen der Göttinger Oberstufen festgelegt wurden. Die Schüler:innen werden zwei Wochen zuvor über Inhalte und Aufgabentypen der Klausur informiert, in der Woche vor der Überprüfung werden Schwerpunkte sowie konkrete Fragen wiederholt und geklärt.
1.3. Korrektur und Bewertung
Den Schüler:innen wird das Bewertungsschema transparent gemacht (Punkte- bzw. Notenschlüssel, Gewichtung einzelner Aufgaben). Jede Klausur wird bei der Rückgabe besprochen, sodass die Berichtigung angefertigt werden kann. Im dritten Lernjahr werden sprachliche und inhaltliche Fehler durch unterschiedliche Farben kenntlich gemacht sowie der Erwartungshorizont beigefügt.
2. Sonstige Mitarbeit
2.1. Mitarbeit im Unterricht
Die Mitarbeit im Unterricht umfasst die aktive Beteiligung am Unterrichtsgespräch, die Mitgestaltung von Gruppenarbeiten während des Unterrichts (hierin enthalten sind die Erarbeitung kleiner Szenen/Dialoge, kurze mündliche Präsentationen, Tafelanschriebe in Schriftzeichen etc.). Zudem werden regelmäßig Vokabeltests über jeweils zwei Lektionen geschrieben.
2.2. Arbeit außerhalb des Unterrichts
Hierzu zählen die Erledigung von Hausaufgaben sowie das verlässliche Führen eines Vokabelhefts. Im zweiten und dritten Lernjahr ebenso die Erarbeitung kurzer Vorträge auf Chinesisch in Form einer Wochenaufgabe.
3. Gewichtung von schriftlicher und sonstiger Leistungsmessung
Die schriftliche Leistung geht mit 40%, die sonstige Mitarbeit mit 60% in die Endnote ein. Bei letzterer wird die Mitarbeit im Unterricht sowie außerunterrichtliche Mitarbeit mit jeweils 50% gewichtet.
Fachkollegium
Projekte
"China in Berlin entdecken“ – der Chinesischkurs aus Jg. 8 in Berlin
Wir, der Chinesischkurs in Jg.8, fuhren gemeinsam vom 30.05. bis 31.05. nach Berlin, um dort an chinabezogenen Aktivitäten und Workshops teilzunehmen. Wir haben zwei Tage voller interessanter Begegnungen, leckerem Essen und Diskussionen u.a. zu kulturellen und gesellschaftlichen Themen verbracht. Darüber möchten wir hier nun berichten.
Am frühen Morgen gegen 7:00 Uhr starteten wir unsere Reise von Göttingen nach Berlin mit dem ICE. Die Zugfahrt verlief problemlos und wir kamen pünktlich um 9:30 Uhr an. Nach unserer Ankunft begaben wir uns kurz ins Hostel, um unser Gepäck abzulegen. Anschließend besuchten wir die Markthalle 9, wo wir an einem chinesischen Teigtaschenstand leckere 包子 bāozi und 饺子 jiăozi (chinesische Hefeklöße und Teigtaschen) genossen.
Danach fuhren wir zu unserem ersten Workshop. Dabei tauchten wir ein in die Welt der Science-Fiction, Fantasy und Märchen. Wir diskutierten die Unterschiede und lernten etwas über die chinesische Science-Fiction. Dann wurde es kreativ: Wir entwickelten innovative Lösungen für aktuelle Probleme (z.B. Luftverschmutzung) und präsentierten unsere Ideen auf Plakaten. Anschließend sind wir zum Brandenburger Tor gelaufen und hatten etwas Freizeit.
Der nächste Programmpunkt führte uns mit der U-Bahn zu einem Nudelworkshop. Im Restaurant wurden wir von Dahai, unserem humorvollen und sachkundigen Workshop-Leiter, empfangen. Er erzählte uns seine inspirierende Geschichte, wie er eine Zugreise von Deutschland nach China gemacht hatte und dort dann die Kunst des Nudelziehens erlernt hat. Mit ihm gemeinsam stellten wir den Teig her und kneteten ihn auf verschiedene Weisen. Danach fing er an den Teig lang zu ziehen. Durch Ziehen und wieder übereinander Legen entstanden Nudeln. Die Menge der Nudel und die Dicke durfte jeder selber entscheiden. Er konnte die Dicke ändern, indem er einmal mehr oder einmal weniger gezogen hatte. Er konnte sogar die Form der Nudeln verändern. Aus unseren Nudeln haben wir dann das traditionelle Gericht 兰州拉面Lánzhōu Lāmiàn, handgezogene Nudeln in einer Rinderbrühe mit Rindfleisch, Chili-Öl, Rettich und Koriander, zubereitet und gegessen. Der Workshop war ein echtes Highlight.
Am nächsten Tag waren wir bei einem Workshop über die chinesische Diaspora in Deutschland von Nengda Yu, dem Gründer der chinesischen Community, 706Berlin. Das Konzept geht auf das „706 Youth Space“ in Peking zurück. Es handelt sich dabei um eine Community, in der man sich über verschiedenste Dinge austauschen kann. Wir haben über das Thema Homosexuaität geredet und wie in China damit umgegangen wird. Nengda hat uns über seine persönlichen Erfahrungen als homosexuelle Person erzählt und wie die Erwartungen seiner Eltern im Vergleich zu seinem eigenen Wohlbefinden entgegenstanden. Diese hohen Erwartungen waren ein Grund, warum Nengda nach Deutschland kam und dort 2021 das 706Berlin gründete. Er wollte Menschen mit chinesischsprachigem Hintergrund einen sicheren Ort geben, in dem sie sich frei über ihre Erfahrungen austauschen konnten. In der Community haben sie viele gemeinsame Unternehmungen gemacht, wie Diskussionsrunden und Spaziergänge. Außerdem haben sie eine kleine Hochzeit für ein lesbisches Paar organisiert. Es war sehr beeindruckend!
Danach ging es weiter ins Restaurant „Han West“ im Wedding, wo wir Bao Buns (chinesischen Burgern) und Dumplings genossen. Die Bao-Burger waren unserer Meinung nach etwas klein, aber sehr lecker und empfehlenswert. Gestärkt gingen wir zur Kreuzung Tegelerstraße und Kiaotschoustraße. Dort begannen wir einen Audiowalk namens „Ěrinnern: ein antirassistischer Audiowalk zur deutschen Kolonialgeschichte“. Der Audiowalk wurde von Charlotte Ming, einer chinesischen Journalistin aufgenommen. Sie hat uns auf eine historische und auch persönliche Reise mitgenommen: Die Küstenlandschaft Qingdao, über die im Audiowalk u.a. gesprochen wird, ist nämlich ihre Heimatstadt. In dem Audiowalk spielten außerdem der Boxeraufstand in China und die Geschichten von früheren chinesischen Vertragsarbeitern in Samoa eine wichtige Rolle. In sieben Stationen führte sie uns durch den Berliner Sprengelkiez im Wedding, wo die Auswirkungen der Kolonialvergangenheit und aktuelle Fragen zu antiasiatischem Rassismus beleuchtet werden. Während des Audiowalks haben wir auch z.B. das Robert Koch-Institut besucht. Von dort kamen in der Corona-Pandemie täglich die Anzahl der Infizierten. Unter Anderem traten in der Corona-Pandemie viele rassistische Handlungen und Äußerungen gegenüber Menschen aus China auf, wie z.B in einer Zeitung mit dem Titel „Corona-Virus, Made in China“. Insgesamt hat der Audiowalk ungefähr zwei Stunden gedauert und war sehr lehrreich. Wir finden, dass das Thema deutsche Kolonialisierung in China mehr in deutschen Schulen aufgegriffen werden sollte.
Schließlich hatten wir nochmal Freizeit, die wir in kleinen Gruppen unterschiedlich gestalteten. Einige gingen geocachen, andere probierten Bubble Tea. Gegen 22 Uhr, mit einer Stunde Verspätung, waren wir wieder in Göttingen.
Unsere Klassenfahrt nach Berlin war ein voller Erfolg. Die Vielfalt der Workshops und Aktivitäten bot uns wertvolle kulturelle und gesellschaftliche Einblicke, die uns nachhaltig beeindruckt haben. Jeder von uns nahm einzigartige Erfahrungen mit nach Hause, die uns noch lange in Erinnerung bleiben werden.
ERROR: Content Element with uid "1796" and type "slickcarouselbasic" has no rendering definition!